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Entrepreneur + Nerd = Entreprenerd

Co-Founder und Mitgründer für ein gemeinsames Startup

A-Team - Wieso du nur mit Co-Foundern und im Team vorran kommst!

Andreas Klassen

13 Dezember, 2018

Andreas Klassen, Unternehmer und Nerd, Entreprenerd

Ein Unternehmen aufzubauen ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann. Eine ungewisse Zukunft, finanzielle Existenzängste, eine niemals endende To-Do-Liste und steigende Verantwortung sind nur einige der alltäglichen Probleme eines Gründers. Durch alle Perioden eines Unternehmens hindurch, von Launch bis Exit, gibt es viele Aufgaben und Entscheidungen die man bewältigen muss. Weil man selber nicht in allen Gebieten Experte sein kann und es zeitlich schier unmöglich ist alles alleine zu stemmen, ist es besonders sinnvoll, die Reise einer Unternehmensgründung mit einem oder mehreren Co-Foundern anzugehen.

Wieso ist ein Co-Founder so wichtig?

Ein passender Partner ist ein integraler Bestandteil eines Unternehmens und wichtiger als eine Idee oder die nötigen finanziellen Mittel. Mit dem richtigen Co-Founder kann eine geniale Idee erarbeitet werden (Eine Idee alleine ist jedoch nichts wert! - Das habe ich schon detalliert in diesem Artikel erläutert) Ein wichtiges Asset, das ein Gründerteam auf jedenfall mitbringen muss, ist die Fähigkeit seine Idee zu pitchen und potentielle Kunden, Partner oder Investoren davon zu überzeugen! Überzeugungskraft, angemessene Artikulation, Empathie für das Publikum und Storytelling sind nur einige Eigenschaften, die man benötigt, um erfolgreiche Investoren zu gewinnen oder eine Vision und Mission zu kommunizieren.

Entweder bist genau du diese Person oder bildest diese im Co-Founder ab! Besonders, wenn es um das Thema Geld geht, ist ein Co-Founder nur vom Vorteil, denn das Geld kann besser gemanaged beziehungsweise gemeinsam leichter angeschafft werden. Wenn du die passende Idee und das nötige Geld hast, kannst du natürlich auch alleine Gründen – als Solopreneur! Allerdings birgt das einige Risiken...
Alleine Gründen ist deutlich schwieriger, da man eher viele Leute einstellen und deligieren sowie Expertise einkaufen muss.

Der meiner Meinung nach jedoch wichtigste Grund ist, dass der passende Sparringspartner fehlt. Man ist weitestgehend allein mit seiner Idee und seinen Plänen, kaum einer kann ein adäquates Feedback geben und die eigene Strategie infrage stellen. Besonders am Anfang, wenn das Produkt oder die Idee noch geformt werden muss, ist eine zweite oder sogar dritte Meinung enorm wichtig.

Alle Hypothesen und Annahmen, die man anfangs hat, würden so nicht auf den Prüfstand gelangen. Der richtige Co-Founder wird auch mal "Nein" sagen und seine eigenen Vorstellungen präsentieren – nur dadurch wird eine Idee oder Produkt erst wirklich wachsen können.

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Wie und wo finde ich den oder die Co-Founder?

Es gibt viele Orte, an denen man sich nach einem Geschäftspartner umsehen kann! In meinem Falle war es die Universität und der Freundeskreis..Doch für die meisten kann die erste Anlaufstelle das eigene Unternehmen sowie der derzeitige Arbeitgeber sein. Auch Kollegen aus der eigenen Abteilung oder einer anderen Firma könnten eine Möglichkeit repräsentieren. Der Vorteil dabei ist, dass Ihr schon zusammen gearbeitet und euch im besten Falle auch unter stressigen Situationen kennengelernt habt. Durch ähnlichen Background und Arbeitsphilosophie kann eine gute Synergie entstehen, vor allem wenn man auch mal in andere Geschäftsbereiche oder Abteilungen schaut.

Eine sehr interessante aber noch weitestgehend unübliche Möglichkeit zu Gründen wäre Intrapreneurship in der Firma zu betreiben d.h. mit dem besagten Kollegen ein Projekt realisieren, dass vom Unternehmen finanziert wird und an dessen Ressourcen man sich bedienen kann. Dies vereint die Freiheit und Selbstbestimmtheit des Unternehmertums und den guten sowie konstanten Lohn der Festanstellung. Ein durchaus eleganter Weg die Selbstständigkeit sowie Zusammenarbeit auszutesten und in letzter Instanz vielleicht sogar auszugründen. Ein anderer Weg wäre sich im eigenen Netzwerk und Freundeskreis/Familienkreis umzuhören. Vertrauen und eine gute Chemie zwischen den Gründern ist essentiell, weshalb es durchaus Sinn macht die Personen, mit denen man sich sowieso schon versteht, zu fragen.

“Bei Geld hört die Freundschaft auf.”

Dies ist ein bekanntes Sprichwort, welches man nie vergessen sollte und bei der Wahl des Mitgründers im Hinterkopf behalten sollte. Eine Startup kann wirklich an die Substanz gehen, sowohl finanziell als auch mental. Monatelange oder sogar jahrelange Durststrecken, Probleme und kontinuierliches Arbeiten gehören in den meisten Fällen einfach dazu. Deswegen solltest du dich auch in dieser Hinsicht auf deinen Co- Founder verlassen können, dass er es auch durchzieht und dich nicht bei der erstbesten “Krise” sitzen lässt. Alle Beteiligten sollten wissen, worauf sie sich einlassen. Nicht umsonst wirst du bei jedem Notar in Deutschland beim Unterzeichnen des Gesellschaftervertrags den Satz: "Gründen ist schlimmer als eine Hochzeit" hören. So abgedroschen dieser Satz nun klingen mag, dem stimme ich 100% zu.

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Im schlimmsten Fallen müsst Ihr damit rechnen, dass Ihr den Gründer als Freund verlieren oder die Familie Narben davon tragen könnte, wobei es allerdings auch immer zwei Seiten der Medaille gibt. Wenn man es gemeinsam durchsteht und ein erfolgreiches Business aufbaut, stärkt das die Freundschaft oder den Zusammenhalt und man hatte auf dem Weg sogar auch noch eine Menge Spaß! Beispiele für Gründer, die als Freunde gestartet haben gibt es viele. Es kann gutgehen, muss es aber nicht! Auch Gründungen aus der Familie sind keine Garantie für Erfolg, wobei die Konsequenzen sich dabei meistens schlimmer herausstellen, als wenn es nur ein Arbeitskollege wäre.

Wie sieht das perfekte Team aus?

Ein Co- Founder ist gut, aber ein Gründerteam ist noch besser. Man kann mehr Fähigkeiten abdecken und viel mehr PS auf die Straßen bringen. Doch wonach wählt man noch weitere Co-Founder aus und wie sieht ein perfektes Team eigentlich aus? - Das perfekte Gründerteam gibt es nicht, denn was ein Team haben sollte sieht bei jedem Problem oder Business-Model anders aus. Generell sollte es aber mindestens jemanden geben, der Produkt, Tech sowie Finanzen abdecken kann. Idealerweise sollte das Team unterschiedliche Hintergründe, Kenntnisse und Erfahrungen haben, sodass Schwächen des Einzelnen im Team kompensiert werden können!

Für Early - Stage reicht das zwar erst einmal aus, später sollte man aber Leute im Team haben, die sich auch um Strategie, HR und Marketing kümmern. Durch die Erfahrung aus meinem Startup und dem equity-based Development habe ich sehr viele verschiedene Gründerteams und Ideen kennengelernt (viele Pitch-Decks, die man analysiert und Businesspläne, die man evaluiert hat). Das Hauptaugenmerk lag dabei immer auf dem Team, denn wenn man eine Firma gemeinsam gründet, muss man sich auf das Team verlassen können. Meine Philosophie dabei ist stets:

“Eine gutes Team kann auch aus einer mäßigen Idee einen Erfolg machen. Ein schlechtes Team hingegen wird selbst mit einer brillianten Idee, dem richtigen Zeitpunkt und genug Kapitalisierung nicht unbedingt ein Unicorn auf die Beine stellen.”

Seid euch bewusst, mit wem Ihr zusammen arbeitet, denn Teammitglieder sind essentiell für den Erfolg deines Projektes und vor allem deine Gesundheit.

Du kannst dir eine Menge graue Haare, schlaflose Nächte und Magenschmerzen ersparen, wenn du dich auf deine Mitgründer verlassen kannst. Nicht nur Ehrlichkeit und Vertrauen ist wichtig, in meinen Augen ist es auch die Chemie und der Spaß, genauso wie eine ähnliche Arbeitsmoral und Einstellung zu bestimmten Dingen. Komplett homogen sollte man natürlich nicht aufgestellt sein, da man sonst die synergetische Effekte komplett verliert. Besonders solltest du die Schwächen deines Co-Founders kennen, genauso er natürlich deine, damit Ihr diese ausgleichen könnt.

Nie ohne mein Team

Als wir unsere Firma gegründet haben, haben wir uns super verstanden. Das ist bis heute so geblieben. Ich finde unsere Fähigkeiten und Persönlichkeiten ergänzen sich super. Zu dritt bilden wir meiner Meinung nach sehr gut alle wichtigen Aspekte ab: Im Kern Technisches Know-How sowie Finanzen und HR und peripher können wir auch Strategische Planung und Marketing gut vereinen.

Praktisch im Alltag sieht das ganze ziemlich bunt aus. Ich bin immer gerne hands-on und setze direkt um, wohingegen meine Co-Founder sich gerne zurücknehmen und noch eine Runde länger das Problem durchdenken und “philosophieren”. Um die Finanzen, Buchhaltung und Co muss ich mich nicht kümmern, denn darum kümmert sich der Geschäftsführer von uns dreien. Im Grunde musst du deinen Co-Foundern vertrauen können und immer sicher sein, dass sie Ihre Aufgaben besser erledigen können als du selbst.

Wichtig ist auch, dass jeder von uns genau weiß, worin der jeweils andere gut ist und worin nicht! Es gibt auch genügend Feedback-Gespräche, in denen wir uns gegenseitig weiterbringen wollen. Ehrlichkeit ist oberste Maxime! Interessant ist dabei auch, dass wir uns zu 90% einig sind und sehr schnell auf sehr ähnliche Schlüsse kommen. Die 10% Uneinigkeit werden dann aber knallhart ausdiskutiert... Auch unsere generellen Charakterzüge ergänzen sich sehr gut, wobei ich eher der introvertierte bin und die anderen beiden eher sehr gerne socializen oder die Rampensau geben. Wenn es nicht so ausgeglichen wäre, wäre man definitiv in vielen Situationen einfach nur drüber!

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Mein Tipp – Stresstest

Nun ein Tipp von mir (und da spreche ich wirklich aus Erfahrung)
Bevor du mit deinen Mitgründern ein seriöses Business startetest, setzt gemeinsam erst einmal ein kleines Projekt um. Execution ist immer wichtiger als die Idee oder das anfängliche Luftschlösser bauen beziehungsweise Bullshit-Bingo! Dies kann eine Webseite, ein Gartenhaus oder eine Veranstaltung sein - das Projekt ist dabei völlig egal. Wichtig ist, dass jeder mit einer bestimmten Kapazität und Verantwortung eingebunden ist und auch Probleme auftreten, die Stress auslösen. Je früher Ihr dabei an den Punkt kommt, an dem es ungemütlich wird, desto besser. Denn im “Eifer des Gefechtes” kann keiner mehr den Schein waren, legt seine “Maske” ab und zeigt sein wahres Gesicht. So hart das jetzt vielleicht klingen mag, propagiere ich eine proaktives Eskalationsmanagement.

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Du wirst dich selber neu kennenlernen, dich aber auch wundern, welche Seiten du beim potentiellen Co-Founder entdeckst. Besonders bei Freunden oder Familienmitgliedern die man sein ganzes Leben lang kennt, ist dies vor allem spannend zu beobachten. Bei einer Neugründung müsst Ihr Wochen, Monate oder vielleicht sogar Jahre 24/7 miteinander auskommen, deswegen ist die Zeit, die vorher Investiert wird, so wertvoll, weil du dir im Nachhinein viel Energie und Zeit sparst! Ich kann hier das noch das eingehend erwähnte Zitat der Notaren nur wiederholen!

Toxic People - Wenn der Co-Founder der Falsche ist

Sich mit den falschen Leuten zu umgeben und seine Zeit zu verschwenden kennt wohl jeder. So ärgerlich das im Privatleben sein kann, umso fataler ist das Ganze, wenn man den falschen Geschäftspartner wählt. Während des Studiums habe ich mit zwei guten Kollegen eine kleine Firma gegründet, wobei wir uns durch unsere Expertise in Design und Development auf Mobile-Games fokussiert haben. Einer von beiden Kollegen war Designer. Verstanden habe wir uns immer super, allerdings kristallisierte sich während des Projektes immer mehr heraus, dass wir zusammen einfach nicht arbeiten konnten.

Ich, der Lösungsorientierte und strukturierte Informatiker, und er, der spontane und kreative Querkopf. Durch einen selbst auferlegten und straffen Zeitplan merkte man sehr schnell, wer unter dem Druck aufblüht und wem das ganze zu Kopf steigt.
Am Ende mussten mein anderer Kollege und meine Wenigkeit große Teile des Designs selbst übernehmen und all-nighter kloppen, weil er uns weitestgehend im Stich gelassen hat. Das waren harte Wochen - geschafft haben wir es trotzdem! Am Ende hat allerdings auch die Freundschaft mehr oder weniger darunter gelitten.

Fazit

Wenn man kein Solopreneur werden will, sind die richtigen Partner oder das richtige Team beim Gründen essentiell. Wichtig ist, dass die Fähigkeiten und der Charakter nicht zu homogen sind - nur dann kann es zu den besten Synergieeffekten kommen. Auch sollte man erstmal kleinere Projekte zusammen umsetzen und auch Probleme aufkommen lassen, um das gegenseitige Stresslevel sowie Stresshandling zu testen.