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MLM, Multi-Level Marketing, Network Marketing, Selbstständig und Reich

Network Marketing - Das beste Business?
Ganz im Gegenteil!

Andreas Klassen

10 Januar, 2019

Ein Unternehmer zu sein, ein erfolgreiches Business aufzubauen und sich durch finanzielle Unabhängigkeit vom Geld-Zeit-Geflecht lösen.
Wer möchte das nicht? Am besten mit nur ein paar Stunden Arbeit am Tag sich ein passives Einkommen aufbauen, dass das Gehalt eines durchschnittlichen Arbeitnehmers übersteigt, wodurch man es sich beispielsweise auf einer Hängematte in Hawaii gut gehen lassen kann.

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Täglich erreichen mich unzählige reißerische Spam-Nachrichten auf Instagram (@schmaendels), welche mir ein System versprechen, womit genau dies möglich sein soll.
Das Geheimnis - MLM (Multi-Level Marketing) oder NM (Network Marketing).
Anfangs habe ich diese Nachrichten belächelt, dann ignoriert und letztendlich blockiert. Aber die schiere Menge hat mich schlussendlich zermürbt, weswegen ich diesen Blogpost nun verfasse, wieso Network Marketing nichts mit Unternehmertum zu tun hat und wieso es meiner Meinung nach ein tückisches und fatales System ist.
Eine Antwort an all die Nachrichten, die mich von den vermeintlichen „Entrepreneuren“ erreichen und ein Weckruf an alle diejenigen, die gerade mit dem Gedanken spielen damit anzufangen.

Persönlich Erfahrung mit den "Big-Business Typen"

Als ich knapp 15 Jahre alt war, hatte ich meinen ersten und einzigen wirklichen Kontakt mit Multilevel-Marketing.
Ich wurd auf eine Veranstaltung eingeladen, die mir als “Business Mastermind” verkauft wurde. (Ja das Wort Mastermind war damals schon verbrannt..)
Ich war damals sehr jung und naiv, deswegen habe ich vorher nicht gerochen worum es sich wirklich handeln wird. Ich war neugierig und dachte mir “Das hörste dir mal an”.
Angesetzt war das Meeting in einem bekannten Hotel in meinem Heimatort. Kurzfristig wurde das Treffen allerdings in das Wohnzimmer eines Networkers verlagert.
So saßen wir da, 15 Jungs zwischen 18 und 25 an einem Sonntagabend.
Ich war definitiv der jüngste in der Runde. Die meisten kannte ich vom sehen und wusste, das diese die Intelligenz nicht gepachtet haben.
Die Gespräche drehten sich um “Lambo’s, Benza und Bitches”, die sich bald alle kaufen würden.
Andere Sprachen über das kaputte Bildungssystem, die verkappten Eliten und Verschwörungstheorien.

Lustig wenn man noch 15 ist.. Retrospektiv betrachtet, mehr als lächerlich! Je länger ich darüber nachdenke, desto kurioser erscheint mir der ganze Abend. Vor allem sehe ich unzählige parallelen zu heutigen Insta Stories und Veranstaltungen von Network Marketern.

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Nach 15 Minuten auf der abgesessenen Couch ging die Show los.
Der “Speaker” startete einen Trailer “Partys, dicke Karren und schöne Frauen”, es war kein Trailer zu Fast and Furious, sondern das Werbevideo des Netzwerks.
Sah nicht nach “fett Business machen” aus, eher nach einem Kindergeburtstag. Genauso vorbereitet wirkte der Chairman der danach zur Präsentation einleitete.
Extrem wenig Substanz, viel blabla. Ich erinnere mich nicht mehr an genaue Worte, aber es deckt sich stark mit meinem kompletten Artikel.
Jedenfalls ist mir nichts seriöses im Gedächtnis geblieben, nichts was einen Geschäftsmann auszeichnet oder gar von Erfolg zeugt.
Außer irrwitzige Kontoauszüge und übergroße Nadelstreifen Anzüge.

Der Einstieg in das Teufelswerk

Der Einstieg in das Network Marketing erweist sich als ziemlich simpel - wenn man gerade seine EC-Karte in Griffweite hat, denn der Einkauf beziehungsweise die Mitgliedschaft im Unternehmen, die Network Marketing betreiben, ist doch recht kostenspielig.
Im Schnitt liegen die Beitrittskosten zwischen 500€ und 2500€, abhängig von Brache und Struktur.
Gerechtfertigt wird dieser Beitrag damit, dass zum Beispiel die anfängliche Investition in eine Imbissbude oder einen Online-Shop viel höher ist, womit die ganzen Firstliner, Chairman's und wie sie nicht alle heißen auch Recht haben - für so einen kleinen Betrag kann man selbstständig werden und sich "Unternehmer" schimpfen.

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Hierbei will ich aber nochmal rekapitulieren, was Multi-Level Marketing eigentlich ist, nämlich Empfehlungsmarketing!
Empfehlungsmarketing, bei welchem man eine Provision für eine Vermittlung oder einen Verkauf bekommt.
Online wird sowas Affiliate-Marketing genannt, wobei man dabei seltsamerweise keine Gebühren zahlen muss, um partizipieren zu dürfen.

Wenn ein Unternehmen mit TV und Online-Werbung eine riesige Marketing-Kampagne plant, besteht immer das Risiko, dass die Kampagne ein "Flopp" wird und nicht die gewünschte Conversion erziehlt.
Empfehlungsmarketing hingegen repräsentiert für das Unternehmen eine risikolose Form des Marketings und Vertriebs, da das komplette Risiko beim Mitglied liegen bleibt und das Unternehmen erst zur Kasse gebeten wird, sobald ein Verkauf oder Vertragsabschluss erzielt wird.
Wenn wir uns gerade schon über den Einstieg unterhalten - so einfach die Teilnahme am Network Marketing auch ist, ist das Operative-Geschäft es jedoch nicht.
Man wird in vielen Meetings und Briefings mental darauf vorbereitet, dass man viele Abfuhren über sich ergehen lassen wird und darüber hinaus dies auch der Norm entspreche.
Was verschwiegen wird ist, dass die Absagen oftmals einem schlechten Produkt und dem schlechten Image von Network Marketing geschuldet sind.
Ihr könnt so gut verkaufen wie Ihr wollt, alle, die vor euch kamen, haben metaphorisch gesprochen den Weg platt getreten und die „Kunden“ sensibilisiert, nicht erneut darauf hereinzufallen.

Auf dass jegliche Brücken durch Feuer herniederbrennen

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Wie bereits erwähnt, wird der Einstieg ins Network Marketing einfach sein - zahle das Geld und lege los!
Die ersten Kunden hast du doch schon! Wen fragst du dich?
Familie und Freunde natürlich! Kaltakquise des primären und sekundären Freundes- und Bekanntenkreises ist die Devise.
Natürlich ist man nicht verpflichtet, die ersten Verkäufe an Freunde und Familie abzuschließen, allerdings wird es früher oder später bei allen der Fall sein.
Bei den einen, um ein bisschen zu lernen und auszuprobieren, bei den anderen in letzter Instanz.
Da die Liebsten in den meisten Fällen sowieso skeptisch gegenüber allen neuen Sachen sind, wird es bei den MLM- Konzepten nicht anders sein. All jene, die nicht überzeugt sind, werden als besserwisserische Kritiker, Nörgler oder Pessimisten betitelt.
(Wie auch ich gerade, da ich ja selbst nie mitgemacht habe #schöneGrüße) Die Systeme und Produkte werden in Frage gestellt und das Gefühl des Unverständnisses wird hervorgerufen, doch davon unbeirrt, wird dir von der Network Marketing-Gemeinde zugesprochen und du wirst weiter motiviert.
Sätze wie „Haters gonna hate“ sind nur der Anfang - man soll ja einfach nur weiter machen! Schnell können wichtige Freundschaften darunter leiden (und letztendlich auch daran zerbrechen).

Der Grundgedanke von MLM

Der Grundgedanke von „Empfehlungsmarketing“ ist in meinen Augen mehr als perfide, denn jeder soziale Kontakt oder jede soziale Interaktion mit einem Network-Marketer ist direkt mit einem Hintergedanken behaftet.
Wenn dich ein Network- Marketer kontaktiert oder mit dir befreundet sein will, dann in erster Linie aus Profit, oder weil er dir etwas verkaufen sowie dich in das System locken will.
Mag sein, dass man sich über die Zeit kennen und mögen lernt, allerdings war der initiale Kontakt unter eben jener perfider Prämisse.
Jedoch sollte man eher davon ausgehen, dass es sich auf die Dauer und die Qualität der „Freundschaft“ beziehungsweise des sozialen Kontaktes auswirken wird.
So schnell, wie er gekommen ist, so schnell kann er auch wieder weg sein...
Hier ein Blogpost dazu wie und wo man wirklich Networken sollte , und lebenslange Kontakte knüpft.

Die Community

Die Community ist für mich sowieso das absonderlichste an der ganzen Nummer. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von zugegebenermaßen zielstrebigen, aber unprofessionellen Persönlichkeiten.
Fehlendes kaufmännisches Know-How sowie keinerlei unternehmerisches Denken oder vertriebliches Wissen – in wenigen Fällen sind nur rudimentäre Marketing-Kentnisse vorhanden.
Die Grundvoraussetzung also mehr schlecht als recht.
Sogenannte "Masterminds" sollen da Abhilfe schaffen und das fehlende Wissen vermitteln.
Allerdings werden keine Experten auf diesen Gebieten geholt, sondern lediglich Ranghöhere aus dem jeweiligen Network. Fachliche Substanz weicht motivierenden „Erfolgsstories“, das essentielle Grundlagenwissen wird durch redundante Selbstpreisung des MLMs ersetzt.
So bleibt die Community weitestgehend ungebildet in allen wichtigen Bereichen.
Zusätzlich inszeniert man sich als Unternehmer oder Gründer, vergisst aber, dass man „nur“ ein Vertriebler oder Freelancer ist.
Solange sich in der Community alle einig sind, kann man sich so schimpfen und ist unter „Gleichgesinnten“ (die, die alle in das System belabert wurden).

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Außerdem sehr wichtig zu erwähnen ist die Tatsache, dass alle Mitglieder der Community genaugenommen Konkurrenten sind, denn nach den Gesetzen der Marktwirtschaft, wird auf einem gemeinsamen Markt dasselbe Produkt an eine gleiche Zielgruppe vertrieben.
Daraus resultiert, dass die „Partner“ eigentlich nur direkte Konkurrenten sind, weswegen mein Appell an euch ist, dass ihr euch zwar selbstständig machen solltet, jedoch auf die richtige Art und Weise - mit einem gesunden Netzwerk an Unternehmern sowie stetiger Weiterbildung.

ROI (Return on Invest)

Es wird versprochen, dass mit nur ein paar Stunden Arbeit am Tag ein Einkommen generiert werden kann, welches das eines normalen Arbeitnehmers übersteigt.
Jedoch sollte man sich das ganze etwas genauer anschauen...
Um ein solides Netzwerk aufzubauen, müssen genug Kunden aquiriert werden.
Schnell wird man merken, dass zwei Stunden am Tag bei weitem nicht ausreichen und umso schneller wird es ein schlecht bezahlter Full-Time-Job.
Aber anders kann man ein Netzwerk nun mal nicht aufbauen! Außerdem wird das Netzwerk, welches man sich aufbaut, in den allermeisten Fällen nicht von hoher Qualität sein, also muss man immer weiter aquirieren, da man im ersten Schritt nicht auf Nachhaltigkeit gesetzt hat.

Mein Frage nun: Wieso auf ein System setzten - und nicht auf sich selbst?
Wieso baut man sich keine eigene Brand, einen eigenen Blog oder Online-Shop auf?
Ohne die hohen Initialkosten, die Abhängigkeit zum Netzwerk und der schlechten Community?
Wieso investiert man diese Zeit nicht in die eigene Weiterbildung?
Hier meine Motivation zum Unternehmertum!
In meinen Augen, fährt man damit viel höhere ROI's ein!

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Logikfehler

Oft wird damit argumentiert, dass ein MLM schon über einen längeren Zeitraum besteht und das eben jener Umstand sehr gut ist, denn das zeugt ja von Stabilität, Beständigkeit und Erfolg.
Für das System allemal, für dich als Partizipant auf keinen Fall. Wieso?
Ganz einfach, weil mehrere Jahre auf dem Markt bedeuten, dass die Marktdurchdringung schon sehr hoch ist.
Zusätzlich ist die Anzahl der „Konkurrenten“ ebenfalls sehr hoch, welche auch noch einen gewissen Image-Schaden über die Jahre verursacht haben.
Durch die Marktdurchdringung ist die Zielgruppe, wenn du zu einem späten Zeitpunkt einsteigt, umso kleiner.
Das Produkt ist für viele dann schon ein Begriff und nichts neues, was einen entscheidenen Nachteil repräsentiert.
Auch ein wichtiger Punkt, den man nicht außer Acht lassen darf, ist, dass die meisten Produkte, die beworben und vertrieben werden, keine innovative und qualitativ hochwertige Produkte sind.
Der USP, den diese suggerieren, ist meistens schlichtweg an den Haaren herbeigezogen. Für jedes Produkt, dass durch ein Network vertrieben wird, gibt es unzählige gute Produkte von Global-Playern, die man im Laden kaufen kann.
Diese haben es nötig von Door-to-Door vertrieben zu werden, weil man es ja sonst nicht anders unter die Leute bekommt.
Man ist unabhängig, arbeitet für sich selbst und ist Unternehmer!
Falsch!
So laut das auch kommuniziert wird, so falsch ist es in meinen Augen aber auch.
Man bezahlt sich den Zugang in ein System, von dem man dann abhängig ist. Die Produkte muss man vom Mutterunternehmen beziehen, genauso wie die Provision.

Anders als bei einem Franchise, wo man zwar auch vom Mutterunternehmen abhängig ist (durch das Businessmodel, die Ware und Co.), kümmert sich da das Mutterunternehmen aber um das Branding sowie Marketing und dafür, dass ein gutes Image vermittelt wird (Auch, dass die Produkte im EK immer günstiger werden...).
In einem Network Marketing System hingegen werden die Produkte nicht wirklich günstiger, da Marketing und Brandbuilding selber bertrieben werden müssen, weshalb ich mich frage, was für ein Unternehmer oder Selbstständiger man dann noch ist.

Fazit zu Network Marketing

Ich hoffe, dass ich deine ungeschundene Seele davor bewahren konnte, einem Network Marketing System beizutreten.
Aber auch, dass ich genug Argumente gegen ein solches System nennen und dir aufzeigen konnte, wie tückisch das Ganze werden kann und wie die Logikfehler zu Vorteilen verdreht werden.
Deine persönliche Brand, dein Freundes- und Familienkreis, sowie dein Portemonnaie werden es dir danken! Aber wer bin ich schon?
Ich selbst hab es ja nicht ausprobiert #haha

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