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Entrepreneur + Nerd = Entreprenerd

"Eine Hand wäscht die andere" -
Netzwerken in der Gründerszene

Andreas Klassen

31 Dezember, 2018

Andreas Klassen, Author des Blogs, Entreprenerd!

In diesem Artikel dreht sich alles um die Gründerszene und das Netzwerken.
Wie das richtige Umfeld den Erfolg beflügeln kann, wieso ein gesundes Netzwerk so wichtig ist und es zur obersten Priorität eines Gründers gehören sollte jenes aufzubauen und zu pflegen, erfährst du hier!

"Your network is your net worth"

Wir leben in einer von Menschen gemachten Welt, eine Tatsache, die schnell vergessen werden kann wenn man nur Produkte entwickelt und tagtäglich mit Zahlen hantiert.
Die Menschen und dein Netzwerk sind der Schlüssel für alles.
Als Gründer musst du dir dessen bewusst sein, es verinnerlichen und dir zum Ziel setzen bei jeder Gelegenheit und jedem Gespräch an den potentiellen Wert für dein Netzwerk zu denken.
Es klingt zwar im ersten Moment danach, als würde die gegenüber stehende Person instrumentalisieren und ausnutzen, doch diese scheinbar heimtückische List entspricht nur einem Trugbild!
Mit einem Netzwerk meine ich auf keinen Fall MLM oder Network-Marketing, sondern das tatsächliche Pflegen von Kontakten in der Gründerszene im Hinblick auf Synergie-Effekte, potentielle Kooperationen oder Deals.

“Eine Hand wäscht die andere!”

So wie das Gegenüber dir einen Mehrwert bietet, solltest du mindestens genauso eine Bereicherung für die andere Person sein.
Erst dann wird eure Zusammenarbeit langfristig Früchte tragen.
Dabei sollte jedoch nicht primär die Verzeichnung von monetären Zuwächsen angestrebt werden (dies entspricht einer Network-Marketing Strategie), sondern das Treffen von Menschen, welchen man Sympathie entgegenbringt sowie die gegenseitige Unterstützung.
Nur so kann die Basis für ein solides Fundament geschaffen werden.

Was bedeutet eigentlich Netzwerk genau?

Für mich bedeutet es zu wissen, wer etwas weiß und wer mir bei einem bestimmten Problem helfen kann.
Es geht um Freunde, Bekannte oder Kollegen, auf die man sich verlassen und bauen kann. Ebenfalls repräsentiert dieses Netzwerk einen Zugriff auf deren Ressourcen - Wissen, Kontakte, Zeit oder Geld.
Ein gutes Netzwerk kann dir viel Zeit und Geld ersparen sowie dein Wissen vergrößern oder dafür sorgen, dass dein Netzwerk noch weiter wächst!
Es kann durch Multiplikatoreffekte oder eine Expertise in bestimmten Bereichen deine Probleme lösen, aber auch Zugang zu anderen Personen und Betrieben ermöglichen.
Auch kannst du Zeit sparen, indem du schneller an Ressourcen gelangst, oder auch Geld, indem du günstiger auf Events oder schneller an Investoren oder Mitarbeiter kommst.
Wenn du viele Freunde aus der Startup-Welt hast, kannst du schnell mal eine Introduction bei einem Investor oder Zugang zu guten Deals bei Events bekommen.

Es baut direktes Vertrauen auf. Nicht umsonst gibt es Vitamin-B - B wie Beziehung.

Die Bekanntschaft mit den richtigen Leuten legitimiert deine Fähigkeiten, wodurch sie ein gutes Wort für dich einlegen können. Ein hoher Social-Trust reduziert Risiken!

Ein Netzwerk aufzubauen ist ein Prozess

Ein Netzwerk baut sich nicht über Nacht auf - es ist ein lebenslanger Prozess und man kann es auch nicht erzwingen.
Manchmal stimmt die Chemie zwischen Menschen und manchmal eben nicht, doch kann man alle weiteren externen Faktoren selbst beeinflussen.
Man kann pro-aktiv darauf achten, wo man sich aufhält, welche Veranstaltungen man besucht, welche sozialen Kontakte man knüpft und ob man mit einem wachen Ohr zuhört.
Es gibt vielfältige Möglichkeiten sein Netzwerk auszubauen.
Hier ein paar Beispiele und Erfahrungen aus meinem Leben:

via GIPHY

Events und die Gründerszene

Als Gründer ist es wichtig, viele Veranstaltungen zu besuchen und möglichst vielen Leuten von deiner Idee und im Endeffekt von dir zu erzählen.
Du musst dir einen Namen in der Gründerszene machen!
Es ist immer schwierig hierbei die perfekte Balance zu finden, denn das tägliche Geschäft und das Arbeiten am Produkt darf nie zu kurz kommen.

Allerdings sollte jeder Veranstaltung mit der Hoffnung auf neue potentielle Kunden, Investoren oder Geschäftspartner entgegen getreten werden - deswegen ist Networken Chefsache.
Vertriebler und Salesmanager schön und gut, aber um das Kern-Geschäft voran zu bringen, musst du selbst tätig werden!

Ich habe immer nach der Philosophie gehandelt "Alles mal mitnehmen" und deswegen bei jeder noch so klein erscheinenden Veranstaltung mitgemacht.
Ein Beispiel war mal ein Startup Camp für Studenten, welches von einem deutschen Energiekonzern veranstaltet wurde.
Obwohl die Workshops und Vorträge nichts neues für mich wären und ich vorraussichtlich auch nichts neues lernen würde, habe ich mich mit dem Ziel beworben, meinen Fuß in die Tür bei diesem Energieriesen zu bekommen.
Aufträge von Konzernen können sehr lukrativ sein, an diese jedoch heranzukommen ist für ein recht junges Startup aber schwierig.
Also machte ich bei diesem Startup Event mit. Es wurden lediglich 20 Personen ausgewählt, um die Beratung und Betreung sehr persönlich und direkt zu halten.
Es kam , wie erwartet, dazu, dass ich content-technisch und methodisch nichts wirklich neues gelernt habe, da die Standard-Methodiken von Lean-Startup, BBC bis MVP durchgenommen wurden.
Allerdings war die Auswahl der Teilnehmer sehr interessant!
Solche Startup-Events, die von Konzernen veranstaltet werden, dienen hauptsächlich der Gewinnung von Mitarbeitern.
Jungen und innovativen Köpfen wird so das Unternehmen schmackhaft gemacht und die Konzerne lernen Ihre zukünftigen Mitarbeiter unter Stress kennen.

Ein Assessment-Center unter dem Deckmantel eines Startup Events. Da kann man sich vorstellen, dass man schon ein paar interessante und hungrige junge Leute kennen lernt!
Auch ich habe alleine bei diesem Event ein paar gute Freunde kennengelernt, mit denen ich heute noch sehr gerne etwas unternehme.
Die Wochen gingen ins Land und die übergeordnete Aufgabe dieses Events war es, einen neuen Business-Case für den Energiekonzern zu entwickeln.
Am Ende wurden die Idee vorgestellt, wobei die Besten 7500€ gewinnen und die Idee intern weiter verfolgen konnten.
Wie zu erwarten war, haben wir keinen Preis oder Platz auf dem Treppchen geholt, aber unser ursprüngliches Ziel einer Zusammenarbeit wurde einige Wochen später zur Wirklichkeit.
Darüber hinaus haben wir auch noch eine weitere Kooperation mit einem lokalen Unternehmen eingetütet!
Die beiden Projekte liefen knapp ein Jahr lang, also war der ROI dieses einen Events sehr schnell drin und hat uns sehr viele weitere Türen geöffnet.

Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke sind ein sehr wichtiger Teil beim Networking, vor allem, weil es besonders für introvertierte Gründer leichter sein kann sich online zu vernetzen und die Gründerszene sich in vielen Foren tummeln, aber auch weil man hierfür meist nicht stundenlange Autofahrten in Kauf nehmen muss.
Auch ist man hier nicht ortsgebunden und kann dank des Internets sich weltweit mit Leuten austauschen - besonders durch die Dichte an verschiedenen Netzwerken und Anlaufstellen, die man zu jeder Person hat (LinkedIn,Xing,Facebook,Twitter,Skype,Instagram,Medium,Email,Website etc.) findet man zu jedem Experten den perfekten Draht.
Ein weiterer Vorteil beim Online- Networken ist, dass das Gegenüber natürlich auch Recherche über einen selbst betreiben kann und man mit geschicktem Brandbuilding sich ins richtige Licht rücken kann und viel Small-Talk spart.

Hier ein Rat an die eher introvertierten oder network-faulen Gründer unter euch:
Positioniert euch mit Content-Marketing und Brand-Building als Experte in eurem Bereich.
Das ist nachhaltig und dadurch werden auf langfristige Sicht die Leute aus der Gründerszene und der Nische auf euch zukommen und mit euch netzwerken wollen.
Ein paar gefeaturte Beiträge, Interviews, eine schöne Seite und ein wenig Aktivität auf relevanten Plattformen reichen meist schon um eine solide Mediapräsenz zu etablieren.

Messen & Seminare als Netzwerktool

Netzwerken kann sehr teuer sein, muss es aber nicht! Die Piratenmentalität sollte immer wieder verinnerlicht und umgesetzt werden, denn so waren wir auf den meisten Veranstaltungen und Messen umsonst.
Durch etwas Googlen und Austauschen kann man meistens sehr viel beim Preis drehen und oft auch komplett umsonst reinkommen.

Eine Anekdote, die ich sehr gerne erzähle, dreht sich um die CEBIT Messe in Hannover.
Da habe ich nämlich noch nie Eintritt gezahlt, Internet und anderen Unternehmen sei dank. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso sie nicht mehr stattfindet...
Die Cebit ist im technologischen Bereich sehr ergiebig gewesen.
Das eine Mal haben wir bei der Ankunft erfahren, dass es am Abend eine Party für geladene Gäste und Kunden gibt.
Natürlich wollten wir hin und natürlich mussten wir irgendwie auf die Gästeliste. Also haben wir es uns an dem Tag zur Aufgabe gemacht die Key Personen ausfindig zu machen, zu bequatschen und uns Bändchen klar zu machen.
Ziel gesetzt und erreicht! Wir haben mit einer Produkt-Managerin gequatscht und uns als interessierte Neukunden ausgegeben.
Nach 20 Minuten Gespräch und dem Austausch von Visitenkarten haben wir Eintrittsbändchen bekommen und konnten so beim Afterwork Event noch ordentlich Cocktails trinken und networken.
Das Ende der Geschichte war, dass wir mit dem Geschäftsführer Shots gedrückt haben und unsere Art sowie unser Auftreten Ihn an sich selbst erinnert hatte.
Noch heute können wir auf seinen Rat als Mentor zurückgreifen!

Zufall - der beste Netzwerker

Der Zufall ist immer noch die beste Verbindung zwischen Menschen. Durch einen Artikel in der Gründerszene , bei dem wir einen Instagramkonkurrenten aufbauen wollten und unser Startup-Beteiligungsprogramm vorgestellt hatten, haben wir einen Gründer aus der Immobilienbranche kennengelernt.
Er stellte uns seine Idee vor und wir kamen sehr schnell zusammen.
Nachdem er eine Investorin gefunden hat, gründeten wir in Berlin eine gemeinsame Firma mit Fokus auf VR-Immobilienbesichtigungen.
Wie der Zufall so wollte, war der beste Freund der Investorin am Tag der Gründung im Büro.
Dieser besagte Freund war der Manager von Linkin-Park. Nach ein paar netten Sätzen bot er uns an, einen Termin mit Linkinpark zu organisieren - wir sagten natürlich zu!
Wenig begeistert und mit wenig Hoffnung auf ein tatsächliches Treffen, da wir sehr viele Schaumschläger getroffen haben, die viel versprochen und nichts gehalten haben, warteten wir auf Rückmeldung.
Am nächsten Tag kam eine Terminanfrage und daraufhin eine direkte Terminbestätigung.
Zwei Wochen später machten wir uns auf den Weg nach Frankfurt, in die Villa Kennedy, wo Linkinpark sich am Abend vorher mit Luis Hammilton getroffen hatte, da sie einen Werbedeal mit Mercedes eingehen wollten.
Immer noch skeptisch checkten wir einen Abend vor dem Treffen im benachbarten Hotel ein. Am nächsten Morgen sollte das Treffen stattfinden. Wir waren natürlich pünktlich.

So unglaublich das jetzt klingt, wir hatten eine ganze Stunde mit dem ganzen Team von Linkin Park, haben gemeinsam gefrühstückt und uns über die Implikationen von VR unterhalten, da Joe der DJ selbst in eine VR Firma investiert hat.
Leider ist es bei dem einzigen Treffen geblieben und mehr ist nicht daraus geworden... eine interessante Story ist es aber allemal und sollte verdeutlichen, wie wichtig Netzwerken und die richtigen Leute aus der Gründerszene zu kennen, sein kann.

Konstanter Netzwerk aufbau

Das Netzwerk sollte gepflegt und konstant ausgebaut werden.
Das erfordert viel Arbeit und einen guten Überblick. Ich habe mir eine Liste zusammengestellt und erweitere diese ständig und stetig um neue Kontakte.
Wichtig ist, dass das kein Sammelsurium an Namen von flüchtigen Bekanntschaften oder gesichtslosen Visitenkarten wird, sondern eine Liste von guten Freunden, denen man selber helfen würde oder welche man beizeiten fragen kann.

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Jetzt noch ein paar allgemeine Tipps zum Netzwerken:

Zu deinen Kontakten oder deinem Netzwerk zählt erst jemand, mit dem du essen warst, einmal getrunken hast oder dich mindestens 3x getroffen hast und das Gespräch über simplen Small-Talk hinaus ging.
Netzwerke dort, wo du dich wohl fühlst.
Die einen netzwerken gerne online, die anderen gerne bei Seminaren, bei Meetups der Gründerszene und die anderen bei der Arbeit.
Es gibt Multiplikatoren im Netzwerk - das sind Personen, die extrem gute Netzwerker sind oder extrem viele Leute kennen, aus deiner Nische oder der Gründerszene.
Identifiziere diese und halte guten Kontakt zu diesen Menschen.

Mir ist noch wichtig zu sagen, dass es beim Netzwerk nicht darum geht soviele Leute wie möglich zu kennen.
Eher geht es um die Qualität der Kontakte. Eine intensive Beziehung ist mehr Wert, als dutzende Visitenkarten oder unzählige Kontakte auf Linkedin.
Beziehungen und Freunde kann man nicht kaufen. Diese gibt es nur, wenn du Zeit und Kraft investierst.
Biete den Menschen durch deine Expertise einen Mehrwert und die Leute werden sich eher mit dir umgeben wollen.
Es ist ein lebenslanger Prozess, der dich nicht nur im Business voran bringen kann.