Ständig werde ich nach meinen Erfahrungen, meiner Meinung oder meinem Rat gefragt – ob man jetzt Informatik studieren sollte und ob es Sinn macht, sich eine Zukunft in der IT aufzubauen.
Ich hoffe, dass das der eine Artikel wird, der alle Fragen beantworten und dir bei der Entscheidung helfen wird. Angefangen bei dem Job-Markt, der Zukunft der IT bis hin zu einem Einblick in den Alltag und die Praxis der Tech Szene.

Mein Beitrag zur Rettung der deutschen digitalen Zukunft!

Status Quo

Die Nachfrage nach Informatikern am Arbeitsmarkt ist groß, dementsprechend verlockend sind die Aussichten. 60k ist das durchschnittliche Gehalt eines Informatikers in Deutschland. Einstiegsgehälter von über 45k, eher die Regel als die Ausnahme.Die gesamte IT-Branche ist seit Jahren unterbesetzt und der Bedarf sowie die Bedeutung der IT steigt stetig.Die rasante Digitalisierung als Longterm – Trend, der ganze Nationen und Gesellschaften transformieren wird und eine Entwicklung,die weit und breit keinen Anschein einer Sättigung erweckt. Diese Faktoren sind der Grund,dass man mit teilweise überdurchschnittlichen Gehältern und Arbeitsbedingungen rechnen kann. Hohe Nachfrage, wenig Konkurrenz, unzählige Spezialisierungen.das alles sind gute Gründe, wieso man gute Chancen für einen guten Job hat und auf ein überdurchschnittliches Gehalt pokern kann. Dennoch solltest du nicht blind auf die hohe Nachfrage vertrauen. Momentan gute Bezahlung und rosige Aussichten alleine sollten erst recht nicht die Entscheidungsgrundlage für den lebenslangen Berufsweg in der Tech-Welt sein.

Aktuelle Zahlen, Daten, Gehälter

Verbandsberechnungen zeigen, das Ende 2018 schon 82.000 Stellen für IT-Fachleute unbesetzt gewesen waren (Als ich 2015 meinen Abschluss in der Tasche hatte, war die Zahl der unbesetzten Stellen genauso hoch). Dieser Trend wird sich laut dem Bitkom 2019 noch weiter fortführen, da 2019 voraussichtlich 40.000 weitere neue Stellen entstehen sollen. Obwohl die Absolventenzahlen seit Anfang der 2000er stetig steigen, hat dies nicht einmal annähernd zu einer Sättigung des Bedarfs geführt. Das Problem des Fachkräftemangels wird also auch dieses Jahr nicht gelöst.

Sehr gute Nachrichten für die Informatiker, da sich das ganze positiv auf die Gehälter auswirken wird. 2017 lag der deutsche Durchschnitt für die Einstiegsgehälter bei Informatikern bei 45k. IT’ler befinden sich zur Zeit definitiv auf der Sonnenseite des Arbeitsmarktes. Wem das für den Anfang nicht reicht, der sollte sich in den Top-Branchen wie Maschinenbau, Banken, Unternehmensberatung oder Wirtschaftsprüfung eine Stelle suchen. Die richtige Positionen erhöht auch noch einmal erheblich das Gehalt und ist ein entscheidender Faktor. Schlusslicht sind hierbei definitiv die administrativen und systempflegenden Stellen. Kreative oder innovative Positionen sowie Stellen mit Personalverantwortung belegen die oberen Ränge. Als IT-Leiter kannst mit überdurchschnittlichem Gehalt rechnen. Der Median liegt bei knapp 110k Jahresgehalt.
IT- Projektleiter, Consultants oder Produktmanager besetzen den zweiten Platz mit durchschnittlich 75k im Jahr. Danach mit ca. 50k Jahresgehalt kommen die Entwickler.
Eine solche generelle Aussage über die Entwickler verfälscht allerdings das Bild! Front-End-Entwickler oder Web-Entwickler zum Beispiel liegen bei Gehältern von 40k. Back-end Developer, Ruby- oder App Entwickler können hingegen schnell mal 80k verdienen. Deswegen muss man bei den Developern stark nach Sprache und Erfahrung differenzieren. Wie Eingangs erwähnt, besetzen die unteren Ränge die Tester, Support , System- und Netzwerkadministratoren mit rund 35k Jahresgehalt.

Zwei Positionen bzw Fachbereiche die eine Sonderstellung genießen sind die Felder der AI(Künstliche Intelligenz) und Security.
Aufgrund der immens steigenden Relevanz dieser Themengebiete,vor allem in den letzten beiden Jahren, und der noch dramatischeren rarität von Fachpersonal auf dem Arbeitsmarkt, kann man hier mit Gehältern von 100k bis 250k rechnen.

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Wichtig bei diesen durchschnittlichen Werten ist auch noch zu erwähnen, das starkes regionale Schwankungen sowie Faktoren, wie die Unternehmensgröße oder Branche eine große Rolle spielen. Die richtigen Stellen in den richtigen Branchen können schnell mal 50% mehr als der Durchschnitt mit nach Hause nehmen.
Generell, je größer das Unternehmen, umso mehr Geld gibt es!

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Die Bewerbung

Schauen wir uns den Arbeitsmarkt aus der Praxisperspektive mal wirklich an!
Was braucht es, um viel Geld in der Branche zu verdienen und was sind die Vor- und Nachteile von IT-Jobs?
Erst einmal beleuchten wir was es braucht um einen Job zu bekommen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist und ob Zertifikate und jahrelange Programmiererfahrung nötig sind oder man auch als Quereinsteiger erfolg haben kann?!

Job-Börsen

Eine Vielzahl an unbesetzten Jobs mit gutem Gehalt sind, wie bereits erwähnt, eher die Regel als die Ausnahme. Schaut man bei einschlägigen Job-Börsen / Job-Portalen und sucht einfach mal nach “Entwickler” oder “IT”, wird man in seinem unmittelbaren Umkreis mit Anzeigen überflutet! Aus Verzweiflung greifen einige Unternehmen auch zu harten Mitteln. Das geht sogar schon so weit, dass in der Job-Headline überdurchschnittliche Einstiegsgehälter versprochen werden.

“App-Entwickler iOS, Android / Vollzeit ab 65k“

The Time is NOW! oder die Überforderung der HR

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Die Evaluationsmethoden der Personaler, ob ein Bewerber kompetent und vom Fach ist, zeigen alle Farben eines Regenbogens! Von wirklich guten und anspruchsvollen Bewerbungsgesprächen mit guten Fachfragen und Assessments, bis hin zu saloppen Gesprächsrunden mit komplett IT-fernen und ahnungslosen HR-Managern (Wo Stichworte wie App und Blockchain das höchste Wohl aller Gefühle auslösen) kann alles dabei sein!
Den HR’lern mangelt es also gänzlich an Bewertungsmechanismen. Zum Glück der Bewerber ist die zweite Sorte der Personaler momentan noch in der Überzahl. Je weiter ein Unternehmen von der Digitalisierung entfernt ist, desto stärker lassen sich solche schwachen Bewerbungsgespräche beobachten.

Selbst erfahrene Führungskräfte haben wenig Verständnis für die Kernkomponenten und Kernprozesse, aus denen eine App, ein Smartphone oder eine Unternehmensanwendung erstellt wird. Sie kennen zwar die Notwendigkeit umfangreicher Tests und Qualitätssicherungsmaßnahmen für ein neues Produkt, verstehen jedoch möglicherweise nicht, wie die einzelnen Komponenten zusammen arbeiten und welche Implikationen bestimmte technologischen Entscheidungen haben könnten. Ob ein Entwicklerteam jetzt eine zu optimistische oder pessimistische Einschätzung für die Entwicklung eines digitalen Produktes gibt, können die meisten überhaupt erst gar nicht einschätzen. Ob das Produkt mit einem Budget von 5k nun in 10 Tagen fertig sein kann, oder es wirklich 3 Jahre Development und mehrere Millionen benötigt, kann man oft sehr schwer einschätzen.

Im Interesse der Unternehmen ist das allerdings ganz und gar nicht! Deswegen wird sich zeigen, wie lange dieser Zustand noch anhalten wird und wann die Unternehmen es schaffen,ihre Personaler besser weiterzubilden oder es hinbekommen, standardisierte Mechanismen oder Verfahren zu kreieren.

Von sich Überzeugen

Man kann auf sehr vielen Wegen gut performen und von sich überzeugen. Entweder erfüllt man die klassischen Klischees und das Rollenbild eines Nerds, kann ein gutes Portfolio vorweisen oder sehr gekonnt kommunizieren und intelligent die aktuellsten Buzzwords ins Gespräch einbinden. Auch wenn das Internet und die Community weitestgehend anderer Meinung ist, sind das die Zustände, die ich beobachten durfte.
Die Anzahl der Bewerber ist gering (im Zweifel bist du sogar der einzige), weshalb der Wettbewerb gering bis nicht vorhanden ist.
Die HR-Manager stehen in so einem Falle unter hohem Druck, denn weiter zu suchen und die Stellen auszuschreiben kostet Geld. Die jeweilige Position ist meist schon länger als gewollt unbesetzt und jeder weitere Tag treibt die Opportunitätskosten nur in die Höhe.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Stelle dann nicht mit einem perfekten Fit besetzt wird, ist immens hoch!
Der Druck und die Anforderungen an die Personaler ist in diesen Zeiten von allen Seiten sehr groß!

Zertifikate

Zertifikate machen oft einen guten Eindruck, suggerieren Eigeninitative und Motivation.
Ein besserer Entwickler wird man mit den meisten Zertifikaten nicht unbedingt – einen besseren Job kann man damit aber auf jeden Fall bekommen. Headhunter und Personaler finden IT-Zertifikate sehr gut, auch wenn sie größtenteils nichts über die Qualität des Entwicklers aussagen!

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Hohe Fluktuation

Den Job zu bekommen ist einfach, ihn am Ende zu halten hingegen nicht! Du musst mit Leistung überzeugen und den Anforderungen gerecht werden! Teilweise kann gerade das die Herausforderung werden, weil das ausgeschriebene Jobprofil am Ende des Tages dann überhaupt nichts mit den tatsächlichen alltäglichen Aufgaben zu tun hat.
Positionen werden falsch besetzt, der neue Mitarbeiter ist überfordert und fühlt sich nicht wohl. Das Team ist unzufrieden, da der neue nicht performt wie erwartet…die Ernüchterung ist auf allen Seiten zu spüren, weswegen eine hohe Fluktuation auch meist die Folge ist.
Aufgrund der günstigen Marktlage können es sich IT’ler aber auch leisten, anspruchsvollere Forderungen an sich und den Arbeitgeber zu stellen. Kompromisse muss man meistens nicht eingehen – und das wollen auch die wenigsten!

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Quereinsteiger

Wie schon beschrieben, bedarf es nicht unbedingt viel um von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Deswegen können auch Berufseinsteiger direkt nach dem Studium oder sogar Quereinsteiger sehr gute Positionen besetzen. Immer mehr Online-Kurse, Bootcamps und Hackathons poppen auf und suggerieren, dass man innerhalb von wenigen Wochen das Programmieren erlernen kann – und das ohne stundenlanges Tippen in einem dunklen Keller, wie die Klischees eines Nerds das versprechen.
Die hohe Nachfrage und das geringe Angebot an IT-Fachkräften legitimieren zunehmend auch den Quereinstieg in die Informatik. Verschiedene Weiterbildungen, Bootcamps und Online-Kurse machen dich mittlerweile ohne jegliche IT- Vorkenntnisse zum Programmierer. Unzählige Beispiele zeigen, dass auch absolute Newbies nach intensiven Kursen in guten Tech-Jobs Fuß fassen und gute Karrieren aufbauen können.

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Hierbei ist kein Studium notwendig, was genauso viele Beispiele aufzeigen (Die Marktlage gibt den Bootcamps und Newbies momentan einfach recht, auch wenn ich persönlich nicht viel davon halte!). Praxiserfahrung ist immer wichtiger und legitimiert auch hohes Gehalt, dies wird definitiv jeder Personaler honorieren!
Grundsätzlich gilt: mehr Praxiserfahrung, mehr Jobchancen und besseres Gehalt!

Unterschied Coder / Engineer

Einen Job bekommt man wie schon gesagt relativ einfach. Doch zu glauben, dass man nach so einem Bootcamp von 14 Wochen einen gut bezahlten Job in der IT bekommt, ist meiner Meinung nach mehr als naiv. Die Wahrscheinlichkeit, dass man eingestellt wird, ist relativ hoch, doch wird man den Anforderungen im Daily-Business höchstwahrscheinlich nicht gerecht und selbst nicht glücklich werden. Ein Bootcamp gibt dir nur einen ganz kleinen und fragmentierten Einblick in eine Programmiersprache.
Der Weitblick über verschiedene Schnittstellen, Prozesse und die Wechselwirkungen zu vermitteln ist in der Kürze gar nicht möglich. Der dicke Paycheck winkt aber eigentlich genau für diesen Weitblick!

Das Ganze muss man deutlich differenzierter betrachten, denn die schiere Vielfalt an verschiedenen Anforderungen, Job-Profilen und Angeboten, macht eine einfache Antwort unmöglich.

Coder / Programmierer

Als Programmierer wird man nur mit jahrelanger Erfahrung in unzähligen Programmiersprachen wirklich angemessen verdienen. Nach einem Bootcamp hat man viel zu wenig Erfahrung und kann höchstens als Praktikant eingesetzt werden, auch wenn man Chancen auf eine andere Stelle hätte. Die Praxiserfahrung wird in den meisten Fällen einfach zu gering sein.

Informatiker

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn es gibt die Programmierer und es gibt die Informatiker.Ein Informatiker oder Engineer, der tiefes Verständnis für Technologien, Prozesse und Algorithmen hat, verdient wirklich gut. Doch das Wissen, was dafür benötigt wird, bekommt ihr nicht nur in einem Online- Kurs oder Bootcamp beigebracht. Das dauert Jahre und setzt eine Menge Praxiserfahrung und tiefes Verständnis vorraus.

Der wirkliche Unterschied

Ein Programmierer ist eigentlich nichts weiteres als jemand, der weiß, was für Befehle er eintippen muss, um beim Computer bestimmte Mechanismen auszulösen.
Einem Informatiker hingegen hingegen ist es egal, welche Programmiersprache er verwendet, denn er löst Probleme – diese möglichst effizient, skalierbar und plant dabei nicht nur bis zum nächsten Sprint, sondern hat durch seine Weitsicht und aufgesetzte Architektur schon die nächsten 10 Fallstricke umgangen.

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Digitalisierung und Tech-Future

Das ist der Status Quo! So erlebte und erlebe ich die Tech-Szene tagtäglich, sowohl persönlich als auch durch Erzählungen von Kollegen und Freunden. Teils kann man sich nicht vorstellen, dass sich die Situation so unübersichtlich, unorganisiert und chaotisch zuspitzt. Die Unternehmen sind mit den neuen Anforderungen und der Digitalisierung einfach überfordert, der HR-Prozess, wie ich ihn beschrieben habe, ist letztendlich nur die Spitze des Eisberges.
Aktuell überrollt die New-Economy viele Corporates wie ein fahrender Güterzug! Wenn man sich für einen Karriereweg entscheidet, dann tut man das nicht aufgrund einer Momentaufnahme, sondern mit einem Blick auf die nächsten 30+ Jahre!

Also wage ich jetzt einen Blick in die Glaskugel…

Wenn man sich die aktuellen Zahlen und den Trend anschaut, kann jeder Laie in die Zukunft projizieren und zu der Schlussfolgerung kommen, dass früher oder später jeder Beruf digitalisiert und von IT geprägt sein wird.
Die Digitalisierung vernichtet Arbeitsplätze – das behaupten Kritiker immer wieder.
Doch so simpel, wie diese Kausalkette zu sein scheint, so tückisch ist diese auch.
Schnell keimt der Eindruck auf, dass wenn man heute keine IT-Ausbildung hat, morgen der Job durch eine AI oder einen Roboter ersetzt sein wird und man sich bei McDonalds einen Job suchen kann (wenn diese Jobs nicht auch von Robotern erledigt werden haha).
Doch ist dieser Wandel aber so fundamental, dass man ohne die Kenntnis von IT-Zusammenhängen in näherer Zukunft Angst haben muss, arbeitslos zu werden?
Wieso sollte man die Digitalisierung jetzt anders behandeln als die Industrialisierung vor einigen Jahrhunderten beziehungsweise die erste Welle der Automatisierung, die den Menschen nicht ersetzt sondern mehr gefordert und zu mehr Wohlstand geführt hat?
Wenn die Digitalisierung solche transformatorische Mächte mit sich bringt, dann sollte man sich die Anforderungen näher anschauen.

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Perspektiven

Die Natur von Codern ist es, alles zu automatisieren, bestehende Prozesse zu optimieren und zu rationalisieren. Redundante Aufgaben und von Menschen gemachte Hürden mit Quellcodes zu umgehen und dabei so effizient zu gestalten, wie nur möglich. In letzter Instanz bedeutet das den Menschen überflüssig zu machen. Zu Ende gedacht bedeutet das auch, dass die IT, jeder Engineer und Informatiker auf ein Ziel hinarbeitet – sich selbst zu rationalisieren und obsolet zu machen.
Also genau so, wie eingehens das Schreckensszenario es ausmalt! Die Nachfrage nach Informatikern und Programmierern wird nicht in das Unermessliche steigen.

Irgendwann sind die Frameworks und Programmiersprachen so weit vereinfacht, dass die „Manpower“ nicht mehr benötigt wird. Das Ziel von Informatikern ist es ja alles so weit zu automatisieren und die Maschine machen zu lassen, dass der Mensch obsolet wird. So wird das auch früher oder später bei der Programmierung passieren.

Als Beispiel, wie weit wir da heutzutage sind: Als Instagram 7 Mio Nutzer hatte, waren 4 Angestellte beschäftigt…
Als wir unsere App mit 3 Millionen Downloads verwaltet haben,waren wir auch nur zu dritt!

Was du definitiv mitbringen musst

Was solltest du mitbringen, wenn du in der Tech-Szene erfolgreich sein willst?
Ich will hier dabei nur die gängigen Klischees brechen, wie das man ein grundlegendes mathematisches Verständnis und kaum soziale Skills braucht.
Analytisches Verständnis, Teamfähigkeit, Geduld und Stressresistenz sind meiner Meinung nach die wichtigsten Punkte.

Analytisches Verständnis

Außer im Studium und bei vereinzelten Problemen brauchst du die Mathematik nicht jeden Tag. In der Praxis hilft es vielleicht, wenn deine analytischen Fähigkeiten ausgeprägter sind, aber außerhalb eines klassischen Studiums wirst du wenig mit komplexeren mathematischen Aufgabenstellungen zu tun haben.
Allerdings finde ich es ungemein hilfreich, wenn man ein generelles analytisches Verständnis besitzt. Auch wenn man keine Mathematik braucht, ist zum Beispiel das Programmieren ein logischer Prozess der mit der Zeit und Länge des Quellcodes immer komplexer wird.
Ohne gute analytische Fähigkeiten wirst du es viel schwerer haben Fehler zu lokalisieren, die Performance zu steigern oder dich überhaupt in den Quellcode einzuarbeiten.

Selbst in höheren Positionen, weit weg vom tatsächlichen Quellcode, wirst du Systeme und Wechselwirkungen aus der Vogelperspektive analysieren müssen.

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Teamfähigkeit

Der einsame Nerd, der, in einen dunklen Keller eingepfercht, vor einem grellen Bildschirm sitzt und im Alleingang tausende PC’s hacked. Das ist leider immer noch das dominante Bild in vielen Köpfen, wenn sie Wörter wie Informatiker, Programmierer oder Entwickler hören. Die Zeiten, in denen jemand alleine Codes produziert, sind seit Jahrzehnten vorbei. Zwar macht es heute vielerorts noch den Anschein, dass man alleine am Quellcode sitzt, doch ist man nur ein kleiner Teil eines verwobenen Großen und Ganzen.
Vernetzt über Slack, Email oder Skype bespricht man mit einem Team die täglichen Aufgabe und delegiert die Tasks. Man entwickelt einen Bruchteil der Software selbst, ist aber meistens auf mehrere Kollegen angewiesen, die über Versionierungstools den produzierten Quellcode prüfen, testen, freigeben und am Ende einpflegen.
Alleingänge werden selten toleriert. Man muss sich an Richtlinien und Standards halten, Code-Guidelines beachten, vernünftig kommentieren und einen guten Code schreiben!
Große und komplexe Systeme sind nur im Team möglich und damit das funktioniert, ist Teamfähigkeit sehr wichtig – auch wenn man mal eine “elegantere und performantere” Lösung gefunden hat, muss man sein eigenes Ego zurücknehmen!

Geduld

Ganz gleich in welcher Position du dich im Endeffekt wieder findest, Geduld brauchst du in jedem Falle! Sei es, weil der Quellcode nicht läuft, die Software gebuilded werden muss oder du mehr Manpower für deine Entwicklung rausschlagen willst.
Leider hat die IT noch eine gewisse Sonderstellung im Unternehmen und viele verwechseln die gängige Wartung und In-House IT mit Produkt- und Softwareentwicklern.
Geduld und einen langen Atem musst du mitbringen, denn dieser Umstand wird sich nicht all zu schnell ändern.
Es ist ein sehr langer und zäher Prozess bis es sich in allen Köpfen manifestiert hat.
Als Anwendungsentwickler muss man manchmal Tage oder Wochen auf Updates warten, sei es vom Framework- oder Produktmanagement.
Übe dich in Geduld und du wirst siegen!

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Stressresistenz

Hand in Hand mit den anderen Punkten, ist die Stressresistenz mit der wichtigste Faktor. Ein paar Beispiele, um nur ein paar alltägliche Stressfaktoren zu nennen.

  • Du hast die Anforderungen falsch geschätzt und wirst definitiv nicht mit dem Zeitplan klarkommen.
  • Das neue Update wirft auf dem Markt einen fatalen Fehler, die App ist für Millionen von Kunden nicht nutzbar, es hagelt 1-Stern-Bewertungen.
  • Der Server hat sich aufgehangen und der Webshop ist nicht erreichbar, jede Minute offline kostet die Firma mehrere tausend Euro!
  • Morgen ist Go-Life und du kannst den Fehler einfach nicht beheben!
  • Die Nutzer kommen mit der neuen UI nicht klar, der Support hängt dir im Nacken!
  • Du bist für jeden Fehler / Bug persönlich verantwortlich
  • Jeder deiner Kollegen hat Probleme mit dem Drucker, doch dabei bist du Java-Entwickler

Das Daily-Business kann ziemlich stressig werden. Die lösungsorientierte Reaktion auf komplexe Probleme, seien es Quellcode-, technische- oder prozessgetriebene Probleme, ist eine Fähigkeit, die von größter Bedeutung ist. Schnell muss man viele Einzelfaktoren abwägen und in Einklang bringen. Eine Fähigkeit, die man stetig ausbauen und trainieren wird…zwangsläufig! Kein System läuft einwandfrei und das ist normal! Wenn du dich für die Informatik entscheidest, wird es dir auch passieren!
Übernimm Verantwortung und mach es beim nächsten mal besser!

Der Alltag

Risiken & Trugschluss

Die IT ist nicht für jedermann! Vielleicht macht es Sinn, wenn jeder mal einen Schnupperkurs bekommt, um einen Eindruck zu bekommen, wie es wirklich ist. Tagelanges Bugfixing und sowie das Starren auf eine Zeile im Quellcode, das ständige Einarbeiten in neue Frameworks und Technologien sowie das Fehlen von wirklichen Standards sind heute einfach noch Alltag. Diejenigen, die nicht die Energie und den Willen aufbringen wollen, sich kontinuierlich zu verbessern und dazuzulernen, werden nicht glücklich in dieser Tech-Welt…egal wie hoch der Gehaltscheck am Ende ist.
Deswegen wird das „Schmackhaft machen“ von IT-Jobs das Ganze nicht wirklich besser machen. Man muss proaktiv und autodidaktisch am Zahn der Zeit die neusten Technologien erlernen können und wollen. Zumindest sollte man bereit sein, sich in komplett neue Felder einzuarbeiten um langfristig Relevanz in der IT Welt beizubehalten. Die gegenwärtige Ahnungslosigkeit wird sich kurz- oder auch langfristig konsolidieren, dann wird sich Leistung durchsetzen!

Wild Wild West

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Den Alltag in der IT kann man sich wie den wilden Westen vorstellen. Eine Welt ohne wirkliche Gesetze, Standards oder Regeln. Es gibt keine wirklichen Code-Standards und die Hauptaufgabe der meisten Entwickler ist es, die alte Codebasis wie einen toten Kadaver durch die Prärie zu ziehen. Motiviert nach dem Studium, freut man sich am nächsten Facebook oder GTA mitzuwirken, bis man dann ernüchternd feststellen muss, dass der Alltag eher mit Produktpflege und Maintenance alter Systeme verbracht wird. Wenn man nicht gerade in einem Startup oder als Consultant beginnt, bleibt dem Großteil eine Entwicklung an neuen, modernen und innovativen Projekten verwehrt.

Je näher du am Quellcode sitzt, desto eher ist es deine Schuld. Wenn User (DAU’s) dumme Fehler machen, wird dir die Schuld in die Schuhe geschoben.
Über die Jahre wirst du dir ein dickes Fell zulegen.

Die wenigsten verstehen die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Systemen, die Wichtigkeit von richtigem Testing und Softwarewartung.
Jeder, der nicht in der Softwareentwicklung tätig ist, wird wenig Verständnis aufbringen.

Du musst bereit sein, dich ständig in neue Themen oder Programmiersprachen einzuarbeiten.
Alleine in den letzten 5 Jahre hat sich in Sachen Weg-Entwicklung immens viel getan.
Von PHP, Python bis hin zu Javascript und Co. hat sich jede Technologie praktisch neu erfunden.
Eigentlich ein sehr guter Umstand, da alles performanter und einfacher wird.
Allerdings bedeutet das im Umkehrschluss, dass du permanenter Weiterbildung ausgesetzt bist. Natürlich entwickelt sich jeder Job weiter, doch mit der IT kann man keine Branche vergleichen!

 

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In meiner StartUP Basics Rubrik zeige ich dir ALLES – von der Gründung bis zum Exit!

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